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Deutsch : Community : Presse : bike 2001 7

Bike Juli 2001

Der Hüter der heiligen Bikes

Die Adresse ist geheim. Sascha Diether (25) ist vorsichtig. Sehr vorsichtig. Groß ist die Angst vor unerwünschten Besuchern. Vor Neidern, wie er sagt. Wer zu Sascha will, muss am Ortsrand von Herbrechtingen warten und die Handy-Nummer wählen. Dann wird der Schatten-Mann im silbernen Porsche um die Ecke kommen, das Fenster ein Stück runterkurbeln und die Wartenden mit zackiger Handbewegung auffordern, ihm zu folgen. Vor einer schmucklosen Eisentür in einem Hinterhof wird sich Sascha dann vorsichtig umschauen, den Carrera noch mal aufröhren lassen und aus- steigen -so wie jedes Mal. Ein Hauch von Palermo im schwäbischen Herbrechtingen, wo es mehr Gartenzwerge gibt als Einwohner.
Ich habe einen Horror davor, dass hier mal einer einbricht. Den Verlust könnte mir keine Versicherung der Welt bezahlen sagt Sascha, der die Haare in einem Büschel trägt wie Bert aus der Sesamstraße und manchmal auch genauso breit grinst. Die Eisentür gibt den Weg in die Schatzkammer nur widerwillig frei. Der Raum ist riesig, die vergitterten Fenster sind verdunkelt. Das Neonlicht flackert. Überall Mountain- bikes. An den Wänden hängen Rahmen neben unzähligen Gabeln. In einem Glasregal sind Kultparts drapiert. Im Fach ganz unten der handgefertigte Prototyp der Bikedrive-Kurbel. Meine BabysIll grinst Sascha und breitet die Arme aus, als wolle er den Raum umarmen. Die Sammlung ist sein Leben. Sechzig seltene Räder hat der Prototypen-Schweißer der Custom- Schmiede Hot Chili in den vergangenen acht Jahren gehortet. Hat früh morgens Zeitungen ausgetragen und in Nebenjobs geackert, um Geld zu verdienen.

Jetzt haust Sascha wochen- tags in einem alten Wohnmobil hinter der Firma. So spart er zwei Tankfüllungen pro Woche und hat Zeit für Überstunden. I/Es gab Zeiten, da hatte ich eine lange Liste mit Fahrrädern.1/ Viele hat er wieder verkauft, denn in sein Privatmuseum schaffen es nur die wirklich exklusiven Stücke. Das Klein Attitude von 1992 zum Bei- spiel, dessen Rahmen er als Azubi in vierzig- stündiger Plackerei spiegelblank polierte bis das Beizmittel hämmernde Kopfschmerzen ver- ursachte. Oder das Rocky Mountain Tantalus, dessen edle Stahlrohre 1992 von Kultschweißer Chris DeKerf höchstpersönlich zusammengefügt wurden. Das Fragment des Vorio-Downhill- Rahmens von 1997, mit dem Regina Stiefl eine ganze Worldcup-Saison bestritt -ein Einzelstück. Oder das Warp 9.3, weltweit existieren nur vier Stück. Zwei davon stehen hier im Raum.

Sascha kauft und tauscht, was er bekomm kann. Er ist gierig nach Teilen, die Fahrradgeschichte geschrieben haben. Und er will sie alle besitzen. Es ist eine Sucht. Da tüfteln Leute jahrelang an einem Bike, und kaum es ein Jahr im Handel, ist es schon nichts mehr wert. Mit meinem Museum setze ich dies Bikes ein Denkmal, erklärt Sascha sein Sammeltrieb. Grinst und streicht verträumt über das schwarze B1- Teambike am Eingang Downhili-Star Marcus Klausmann hat ihm die Sonderanfertigung erst nach langem Bitten und Betteln verkauft. Schau dir die Gabelbrücke an. Die hat Klausmann extra für 151 Mark CNC-fräsen lassen -schick.

Saschas ganz großer Traum jedoch ist ( 93er Motorrad-Mutation Mountain Cycle S Andreas. Mit fetter Suspenders-Gabel u halbmechanischen Pro-Stop-Bremsen. Sascha fuchtelt mit den Armen. Sein Tonfall wird kämpferisch. Ich hatte dieses Bike schon u musste es dann aus Finanznot in Zahlung geben. Als ich es zurückkaufen wollte, war der Laden doch tatsächlich abgefackelt.

Obwohl der materielle Wert der Sammlung inzwischen weit über einer viertel Million, Mark liegt, will Sascha mit seinem Museum kein Geld verdienen. Bis er eine passende Versicherung gefunden hat, sammelt er nur für seine Leidenschaft. Manchmal, wenn er ein paar Stunden Zeit hat, lässt er sich in seinen Sessel: fallen, der wie ein Thron in der Mitte des Raumes steht. Dann inhaliert er mit den Augen und träumt von den vielen Raritäten, die in den Kellern dieser Welt vergessen vor sich hingammeln. Irgendwann werden auch sie hier landen, da ist sich Sascha ziemlich sicher. Viel Zeit für Mußestunden bleibt indes nicht, de seine Babys müssen regelmäßig geputzt und mit Luft versorgt werden. Hintereinander 120 Reifen aufpumpen, das ist Schwerstarbeit Manchmal sehne ich mich richtig nach der Zeit zurück, als ich nur mein altes Marin hatte seufzt Sascha. Aber das meint er nicht so.

Wochentags wohnt Sascha im Wohnmobil hinter der Firma. Das spart Sprit und lässt Zeit für Überstunden. Sascha braucht Geld, denn seine Wunschliste ist noch lang.

  Last Update 24-11-2008 ©Hot Chili - info@hot-chili.biz - fon +49 7181 9784242 | top |